Von Antiquariat Zeitgenoss
Einleitung
Bibliothekskataloge sind nicht unfehlbar. Ein gutes Beispiel ist die deutschsprachige Kolonial- und Emigrantenpresse Lateinamerikas. Zahlreiche Titel gelten als „verschollen“ oder als nur kurzlebig – bis private Sammler eines Besseren belehren.
Ein solcher Fall betrifft die Zeitschrift “Karibischer Beobachter”, das Organ der Deutschen Interessengemeinschaft in Barranquilla (Kolumbien). Während gängige Literaturdatenbanken und Bibliotheksverzeichnisse angeben, das Blatt sei zwischen 1937 und 1939 erschienen, liegen mir vier Originalhefte aus dem Jahr 1941 vor, die den Fortbestand eindeutig belegen.
Der Irrtum der Kataloge
In der Zeitschriftendatenbank (ZDB) und verschiedenen internationalen Bibliotheksbeständen (u. a. Library of Congress, Staatsbibliothek zu Berlin) ist der Karibische Beobachter meist mit der Laufzeit 1937–1939 verzeichnet. Diese Angabe wurde ungeprüft in mehrere Nachschlagewerke und Wikipedia übernommen.
Neue Belege aus Sammlerbesitz
Die vier hier abgebildeten Ausgaben stammen aus dem achten Jahrgang (1941) und tragen folgende Daten:
• Nr. 2 – 15. Januar 1941
• Nr. 3 – 1. Februar 1941
• Nr. 4 – 15. Februar 1941
• Nr. 5 – 1. März 1941
Damit ist eindeutig belegt, dass der Karibische Beobachter mindestens bis März 1941 erschien – also rund zwei Jahre länger, als bislang angenommen.


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Bedeutung des Fundes
Diese vier Ausgaben erweitern nicht nur die bekannte Laufzeit, sie werfen auch neues Licht auf die Tätigkeit der Deutschen Interessengemeinschaft in Barranquilla, die als Zusammenschluss der dortigen deutschsprachigen Kolonie in den 1930er-Jahren bestand. Herausgeber war Gustav Gebhardt, der die Zeitung vermutlich bis zur kriegsbedingten Einstellung leitete.
Beispiel für ein strukturelles Problem
Der Fall zeigt exemplarisch, dass Periodika-Überlieferung in öffentlichen Archiven häufig unvollständig ist.
Kriegsverluste, mangelhafte Ablieferung, und fehlende Nachmeldungen führen dazu, dass Jahrgänge übersehen werden. Private Sammlungen können hier einen entscheidenden Beitrag leisten, um die tatsächlichen Erscheinungsverläufe zu rekonstruieren.
Fazit
Der „Karibische Beobachter“ aus Barranquilla ist mehr als eine historische Kuriosität – er ist ein Lehrstück über die Grenzen bibliothekarischer Metadaten. Erst durch Sammlerfunde wie diesen wird das Bild vollständig.
(Dieser Beitrag darf unter Angabe der Quelle zitiert werden.)
Wir schätzen und kaufen auch seltene Bücher.

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